Literatur: Mein Lese-Potpourri September

Hier stelle ich euch zwei Bücher vor, die gut zu lesen, aber nicht außergewöhnlich sind. Doch oft möchte ich einfach nur ein bisschen schmökern und da freue ich mich stets über Bücher, die sich „weglesen“ lassen und eine unterhaltsame Geschichte haben.

Kategorie Krimi

Martin Walker – Bruno, Chef de Police

Verlag: Diogenes

Seitenanzahl: 338

Ich habe ja so meine Lieblingsautoren, probiere aber gerne auch mal neue Autoren aus. Manchmal gibt es in Buchläden „Grabbel-Tische“, auf die ich mich mit Freude stürze. Bei solch einer Shopping-Aktion erstand ich diesen kleinen Krimi.

Es handelt sich dabei um den ersten Teil einer Krimi-Serie um den Polizisten Bruno, eigentlich Benoît. Bruno ist nicht nur Polizist, sondern er unterrichtet das lokale Rugby-Team, schlichtet Streitereien, organisiert lokale Events und ist nebenbei noch der Traum-Schwiegersohn der gestandenen Damen des französischen Dörfchens. Bis dato war der aufregendste Fall ein Banküberall oder die Versuche, die EU-Kontrolleure an der Nase herumzuführen. Doch mit der gemütlichen Behaglichkeit ist es vorbei, als ein algerischer Einwohner, ein Harki, brutal ermordet aufgefunden wird und Bruno den Mörder in seinem Dorf ermitteln muss.

In dem Buch mochte ich zum einen diese typisch Dorf-Atmosphäre. Erinnert sie mich doch irgendwie ein bisschen an eine Reise durch kleine Täler in den Alpen vor Jahren, rechts und links die kleinen Häuser, alles überschaubar, fast ein bisschen abgeschnitten von der hektischen Außenwelt. Martin Walker beschreibt die kleinen Details sehr lebendig und anschaulich, so dass ich tatsächlich ab und zu in alten Erinnerungen schwelgte. Zum anderen gibt es diese klassische Dorf-Gemeinschaft. Zwar lebe ich in Berlin, komme aber aus einer Kleinstadt aus dem Norden. Immer wenn ich zurück in meine Heimatstadt an der Ostsee fahre, fallen mir die kleinen, aber feinen Unterschiede auf. Ein etwas größerer Unterschied ist, wie gut man über das Leben der Nachbarn oder anderer Stadtbewohner informiert ist und auch die verwandtschaftlichen Beziehungen kennt (z. B. „der Freund deiner ehemaligen Klassenkameradin XY ist der Sohn von Z, dem wiederum das große Haus in der Straße bbb gehört“). Diesen Dorf-Charakter bringt der Autor teilweise sehr humorvoll in die Handlung mit ein.

Außerdem lernte ich etwas mehr über die französische Geschichte kennen, Details, die ich im Geschichtsunterricht damals nicht hatte bzw. inzwischen wieder vergessen habe. Letztendlich steht der Mordfall in dem Buch im Hintergrund, sondern die Handlung lebt von den Charakteren, der dörflichen Atmosphäre und den geschichtlichen Verquickungen.

Ich werde nun nicht gezielt mir die anderen Teile der Krimi-Serie bestellen, aber ich schreibe sie mir auf und werde auf Märkten nach ihnen auch ein bisschen stöbern. Ein netter Krimi, den man ruhigen Gewissens auf dem heimischen Sofa oder im Urlaub schmökern kann.

 

Kategorie Historischer Roman:

Elizabeth Chadwick – Das Lied der Königin

Verlag: Blanvalet

Seitenanzahl: 634

Ich habe so ein paar Autoren, auf die ich sehr gerne bei historischen Romanen zurückgreife wie Bernhard Cornwell oder Rebecca Gablé. Da aber deren Sortiment auch begrenzt ist, suche ich oft nach Alternativen. Wichtig ist mir dabei, dass die Charaktere nicht allzu flach ist, die Handlung nicht zähflüssig und auch nicht zu viel Kitsch verarbeitet wird. Etwas abgeschreckt bin ich auch, wenn bereits das Cover so gestaltet ist, dass ich mich nicht traue, das Buch in der Bahn aus der Tasche zu ziehen… Elizabeth Chadwick entdeckte ich dabei durch Zufall. „Das Lied der Königin“ der der erste Teil einer Trilogie um Eleonore von Aquitanien, im Buch Alienor von Aquitanien genannt. In diesem Buch wird die Kindheit der Herzogin, ihre erste Ehe mit König Louis VII und der Beginn ihrer Ehe mit König Henry II beschrieben. Wie es bei historischen Romanen so ist, darf man nicht alles für bare Münze nehmen: Manche Sachverhalte werden etwas romantisiert, andere ausgeschmückt, wieder andere hinzugefügt oder dezent weggelassen. Will sagen, ein Historiker wird möglicherweise das eine oder andere Mal den Kopf schütteln. Da ich aber keine Historikerin bin, sondern nur eine Leseratte auf der Suche nach Beute, bin ich da etwas nachsichtiger. Ich habe dennoch bei Wikipedia ein bisschen nachgelesen und konnte jetzt keine gravierenden Fehler feststellen.

Mir gefiel vor allem, dass die Protagonistin eine sehr selbstbewusste Frau war, die selbst in dieser Zeit versuchte, ihre Unabhängigkeit und  ihr Erbe zu wahren. Nun war dies in der Zeit nicht leicht. Nach ihrer Scheidung galt Alienor praktisch als Freiwild und jeder versuchte, die „Beute“ zu fangen, es gab kaum einen dickeren Fisch auf dem adligen Hochzeitsmarkt. Und auch während der Ehe mit dem sehr christlichen Louis VII mit seinen strengen Beratern wurde ihr deutlich gemacht, welche Rolle und welche Funktion sie als Frau zu erfüllen hat: Söhne gebären, devot sein, wertvolles Erbe mit in die Ehe bringen. Nun werden mitunter heute immer noch diese Ansprüche an Frauen gestellt und diese Kriterien / Wertvorstellungen sind mitnichten Teil der Vergangenheit. Der Konflikt zwischen Alienor und Henry wurde gut herausgearbeitet und in manchen Situationen konnte ich tatsächlich nur mit den Kopf schütteln.

Insgesamt ließ sich das Buch gut lesen und ich kann das Buch für ein entspanntes Lesen empfehlen. Aber, da bin ich ganz ehrlich, an eine Rebecca Gablé kommt zumindest dieses Werk nicht heran, da empfinde ich die Geschichten bei Rebecca Gablé als vielschichtiger und auch die Charaktere noch runder.

 

 

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