Literatur: Die Welt der Boleyns

Eigentlich wollte ich euch heute eine Karte auf den Blog stellen. Aber da ich noch auf mein Kamera-Equipment warte und es in der Wohnung dank gemütlichem Herbst-Licht eher etwas dunkel ist, kommt heute eine Buchvorstellung. Wenn amazon aber schnell ist, kann ich Freitag endlich mit dem Knipsen wieder beginnen.

philippa-gregory

Über Anne Boleyn gibt es viel nachzulesen, zahlreiche historische Romane oder andere Berichte. Ich hatte mich ja bereits an anderer Stelle einmal geoutet, dass ich sehr gerne historische Romane über die Palastintrigen und das damalige Leben lese. Philippa Gregory schreibt gerne über diese Themen und daher kreuzten sich dann irgendwann – rein literarisch – selbstverständlich unsere Wege.

Auf deutsch heißt das Buch „Die Schwester der Königin“ und wurde auch verfilmt. Ich habe den Film nicht geschaut und werde dieses auch nicht tun. Der Grund ist, dass ich von all den Personen im Buch ein Bild im Kopf habe und die Schauspielerinnen dieses Films absolut nicht dazu passen. Nicht von der künstlerischen Leistung, sondern von der Person, der Optik, meinen Vorurteilen, ich gebe es zu. Speziell bei Mary Boleyn habe ich mir ein detailliertes,  eigenes Bild im Kopf zurechtgelegt und Scarlett Johansson passt zu diesem absolut nicht. Also bleibt es beim Buch, welches aber lesenswert ist.

Das Buch erzählt die Geschichte von Mary Boleyn, der jüngeren Schwester der berühmten Anne Boleyn. Mich hat vor allem der Perspektivenwechsel gereizt, denn es wird aus der Ich-Perspektive von Mary berichtet. Die Familie Boleyn ist ein Clan, für den die einzelnen Familienmitglieder in erster Linie Schachfiguren sind, die strategisch gut zu positionieren sind. Ein Makel hängt der Familie jedoch an, sie gehört von der Boleyn-Seite nicht zum alten Adel, was andere Familie sie gerne spüren lassen. Umso stärker ist der Ehrgeiz und der politische Wille, am Hof aufzusteigen. In den regelmäßigen Familien-Versammlungen wird entschieden, wie welche Schachfigur bewegt wird. Irgendwann trifft es auch Mary. Als Frau hat sie nicht die große Auswahl: Eine vorteilhafte Ehe ist Pflicht. Mary ist erst frisch verheiratet, als die Familie entscheidet, dass sie als Mätresse Henry VIII dienen soll, denn dieser hat ein Auge auf die zurückhaltende, liebe, fast schon naive Mary geworfen. So darf Marys Ehemann schon nach kurzer Zeit zuschauen, wie seine Angetraute immer vertrauter mit dem König wird und ihm schließlich zwei Kinder gebärt, ein Mädchen und ein Junge. Doch mit der Zeit nimmt das Interesse des Königs an Mary ab, jedoch verhält er sich ihr nie bösartig gegenüber, er wird ihrer lediglich überdrüssig – oftmals kommt dem Leser der König wie ein verzogenes Kind vor, welches stets ein neues Spielzeug braucht. Noch mehr als ein Spielzeug benötigt der König jedoch einen Sohn, den Katharina von Aragon in den vielen Ehejahren nicht empfängt. Ja, und dann kommt Anne ins Spiel. Anne und Mary sind zwei Extreme: Mary, die Kindfrau, Anne, die Femme fatale. Anne wickelt den König um den Finger und ist letztendlich das Zünglein an der Waage, sodass der König den Bruch mit der Kirche wagt und sich scheiden lässt.

Ich habe dieses Buch praktisch aufgesogen. Fasziniert war ich von der Beziehung zwischen den Boleyn-Kindern. Zwischen ihnen herrscht ein eiskalter Wettkampf. Mary betont zwar immer wieder ihre Liebe zu Anne und George (ihrem Bruder), doch letztendlich ordnen sich alle drei den Machenschaften ihres Onkels unter. Auch war ich, wenn nicht immer positiv, beeindruckt von dem starken Willen, dem Ehrgeiz und der Opferbereitschaft der drei. Ihnen ist kein Preis zu hoch, um nicht ganz oben am Hofe zu stehen – genau dies soll sich später auch bitter rächen. Nur Mary schafft irgendwann den Absprung und entgeht so den tödlichen Spielen am Hofe.

Kurz die Fakten

Autor: Philppa Gregory

Verlag: Harper Collins Publisher

Seiten: 532

Preis: 8,90 Euro

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