Literatur: Die Nebel von Avalon – ein Wegbegleiter

Heute stelle ich euch ein Buch vor, das mich seit über 15 Jahren begleitet und welches ich bereits das dritte Mal gelesen habe: Die Nebel von Avalon, geschrieben von Marion Zimmer-Bradley. Manche Bücher lese ich mehrmals, weil ich die Hälfte der Handlung vergessen habe. Andere wiederum lese ich mehrmals, weil ich mich für den Inhalt sehr interessiere und stets neue Facetten entdecke – so in diesem Buch.

nebel_von_avalon

Marion Zimmer Bradley ist eine kontroverse Autorin. Ihre Bücher beschäftigen sich stark mit Geschlechterrollen, heidnischen Bräuchen und auch mit Homosexualität.  Sie hat auch den Darkover-Zyklus geschrieben, der ebenfalls in meinen Regalen steht und den ich bereits 2x gelesen habe, ein drittes Mal ist geplant und ich werde diesen garantiert auf meinem Blog vorstellen.

Die Avalon-Saga umfasst mehrere Bände, aber wenn ich ehrlich bin, kommt keiner dieser Bände an Die Nebel von Avalon heran. In dem Werk geht es um die Artus-Sage und um das Wirken der Priesterinnen von Avalon. Letztendlich behandelt die Autorin mehrere Themenkomplexe, die übrigens auch der Grund sind, warum ich das Buch so häufig lese. Mit jedem Lesen entdecke ich ein neues Thema für mich, das mich derzeit interessiert. Es geht um die Artus-Sage, um das Leben des Königs und das der damaligen Völker sowie um die Entstehung von Staaten . Ein weiteres Thema ist die Rolle der Frau in den damaligen Zeiten, eng verbunden ist damit die Ausbreitung des Christentums und den Konflikten, wenn Religionen aufeinander treffen. Die Hauptpersonen, Viviane, Igraine, Morgaine, alle aus dem Geschlecht der Insel von Avalon, gehören dem alten Glauben an, den es in den Augen der Christen zu bekämpfen gilt. Mit den Religionen kommt auch allmähliche Veränderung der Rolle der Frau: Während die  Priesterinnen von Avalon als Frau dem Mann gleichgestellt waren, nicht heiraten mussten und über ihre Sexualität selbst bestimmten, wurde im damaligen Christentum die devote, fromme Frau erwartet – dem Manne untertan und tunlichst darauf bedacht, die Erbsünde wiedergutzumachen. Artus gerät dabei zwischen die Fronten: Seine Mutter war die oberste Priesterin von Avalon, seine Frau hingegen eine fromme Christin, die sich um das Seelenheil Artus‘ sorgt und mit aller Kraft gegen den alten Glauben kämpft. Kämpfte Artus zunächst nur gegen die Sachsen, wächst der Religionskonflikt immer stärker an und fordert schließlich seine Opfer. Dieser Religionskonflikt hat mich dieses Mal dazu bewogen, das Buch noch einmal zu lesen und – wie so oft – habe ich den Eindruck, dass sich die Geschichte wiederholt und die Konflikte auch heute keineswegs neue Konflikte sind, ganz im Gegenteil. Bewegt hat mich auch die Rollenveränderung der Frau und ich bin sehr dankbar, dass ich heute die Rechte habe, die für Frauen vor zwei Generationen noch nicht selbstverständlich waren. In dem Buch kommt auch oftmals die Verbitterung und das Unverständnis beider Seiten zum Ausdruck, die mit dem Weltbild der jeweils anderen Partei hadern und dieses mit aller Macht bekämpfen.

Für wen ist das Buch geeignet? Für Leseratten, die historische Romane mögen. Aber in diesem Werk haben auch esoterische Züge ihren Platz. Allein die Insel Avalon, die abgelegen liegt und nur durch den Nebel zu betreten ist, hat bereits einen starken esoterischen Hauch. Dies muss man mögen. Doch dadurch, dass auch der christliche Glaube ein wichtiges Thema ist, kommt man um das Spirituelle nicht herum. Ich empfinde jedoch auch die Konflikte, die in dem Buch aufgegriffen werden, als spannend: Beide Religionen, die alte Religion und das damalige Christentum, kämpfen um die Vormachtstellung und in beiden Religionen werden Menschen instrumentalisiert und die Selbstverantwortung der Anhänger mitunter stark eingeschränkt.

Ich bin mir sicher, dass ich das Buch auch ein viertes Mal lesen werde, so sehr faszinieren mit die Insel Avalon und die Welt hinter dem Nebel.

Kurz die Fakten:

Verlag:  Fischer Verlag

Autor:  Marion Zimmer Bradley

Seiten: 1118

Preis: Gebraucht ab 1 Euro

 

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