Literatur: Für gemütliche Abende auf der Couch ein bisschen Lesestoff

Jetzt wird aber es Zeit für eine kurze Buchrezension, die Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlicher und perfekt für einen Abend auf der Couch mit einem spannenden Buch. Meine letzte Buchrezension ist schon ziemliche lange her. Nicht, dass ich in den letzten Wochen kein Buch in der Hand hatte, aber es gab so viele andere Veranstaltungen, Basteleien oder Bastel-Aktionen, dass ich meine Buchrezensionen sehr vernachlässigt hatte. Bilder folgen noch, da ich gerade an der Ostsee bin und zwar Bücher dabei habe, aber nur ungelesene Exemplare :).

Deswegen schreibe ich heute über mehrere Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ein buntes Potpourri, quer durch sämtliche Genres. Ich fange mit einem Thriller an.

Val McDermid – Tödliche Worte

Die Autorin kannte ich noch gar nicht und habe das Buch mir eher durch Zufall gekauft. Schon auf den ersten Seiten werde wendet sich der Mörder an den Leser, etwas kryptisch, und er berichtet von der Macht der Stimme und seinem Wunsch, diese Macht einzusetzen, um Frauen zu töten.

Danach werden peu à peu die verschiedenen Personen vorgestellt, Carol Jordan, eine hochrangige Polizeibeamtin, die bei einem Undercover-Einsatz vom Täter vergewaltigt worden ist und nun ein spezielles Einsatzteam leiten soll, das sich mit nicht gelösten Fällen befasst. In  ihrem Team sind eher eigenwillige Charaktere, eine etwas nerdige IT-Spezialistin, ein Kollege, dessen oberstes Ziel die höheren Stufen der Karriereleiter sind, und weitere Beamte, bei denen nicht sofort klar wird, wie diese ticken. Der zweite Protagonist ist der schrullige Profiler Dr. Hill, der in einer Anstalt arbeitet und die Polizei mit Täterprofilen unterstützt. Und der in Carol Jordan verliebt ist, aber beim besten Willen nicht weiß, wie er ihr das zeigen soll.

Die nächsten Fälle lassen nicht lange auf sich warten. Eine Prostituierte wird brutal von einem Freier misshandelt und schließlich getötet. Außerdem tauchen neue Spuren von zwei vermissten Jungen auf, bei denen sich keiner sich ist, ob die beiden noch leben oder ebenfalls getötet worden sind. Und auch Dr. Hill hat eine harte Nuss zu knacken: Ein verurteilter Mörder soll in der Anstalt zum Sprechen gebracht wird, ähnelt sich sein Opus moderandi doch dem Mord an der Prostituierten. Schließlich wird klar, dass Dr. Hills Patient etwas mit den Morden an den Prostituierten zu tun hat, denn er auch er mordete, weil er eine Stimme hörte…

Ich bin bei Krimis immer vorsichtig, aber dieses Mal hat es sich gelohnt: Die Protagonisten haben eine gewisse Tiefe und es ist spannend, wie sich das Verhältnis dieser untereinander entwickelt. Auch sind die Verbrechen interessant aufgezogen, wenn auch der Fall gerne etwas später hätte aufgelöst werden können. Aber durchaus ein Buch, das kurzweilig ist. Eine noch wichtige Info: Es handelt sich um den vierten Teil einer Serie. Es gibt ein paar Anspielungen, doch das Buch ließ sich auch gut ohne Vorwissen lesen.

Marion Zimmer Bradley – Die zerbrochene Kette; Gildenhaus Thendara, Die Schwarze Schwesternschaft

Ich hatte hier (*klick*) den Darkover Zyklus vorgestellt. Es ist eine Sammlung von Anthologien, Romanen aus dem Fantasy-Bereich und Mini-Serien.  Ich lese diese Sammlung bestimmt zum dritten Mal inzwischen, wenn nicht sogar häufiger. Zum einen habe ich ein extrem schlechtes Lesegedächtnis (was wiederum auch ein Vorteil sein kann, weil ich dann alte Bücher wieder hervorholen kann ;) ) und zum anderen entdecke ich stets neue Aspekte bei diesen Büchern. Wahrscheinlich auch ein wenig abhängig davon, in welcher Lebensphase ich mich befinde. Bei meinem ersten Beitrag war ich mir noch ein wenig unsicher, ob man alle in einer Reihenfolge lesen muss: Nein, muss man nicht zwangsläufig. Bei diesen Mini-Serien macht es Sinn, aber grundsätzlich ist es nicht notwendig. Es gibt in den Büchern regelmäßig Anspielungen auf vergangene Ereignisse und Personen aus anderen Büchern, doch ein Vorwissen ist nicht notwendig. Ich stelle euch die Mini-Serie um Magda Lorne vor. Sie hat terranische Eltern, ist aber auf Darkover geboren und gilt als eine Koryphäe in Sachen Forschung auf Darkover. In dem Buch Die zerbrochene Kette begibt sich Madga Lorne auf die Suche nach ihrem verschollenen Ex-Partner Peter, der von einer Exkursion in den Bergen nicht zurückgekehrt ist. Obwohl getrennt, fühlt sie ihm verpflichtet und beginnt eine gefährliche Reise in die Berge. Auf ihrer Reise gibt sich Magda als Entsagende aus, hat jedoch das Pech, auf echte Entsagende zu treffen. Die Regeln der Entsagenden schreiben vor, dass Frauen, die sich fälschlicherweise als Entsagende ausgeben, den Eid der Entsagenden leisten müssen und somit Teil dieser Gemeinschaft werden. Dies passiert auch Madga und im zweiten Teil, Gildenhaus Thendara, wird ihre erste Zeit im Gildenhaus beschrieben.

Ein paar kurze Worte zu den Entsagenden: Auf Darkover herrschen sehr patriarchale Gesellschaftsstrukturen, in denen die Rollen von Frauen und Männer sehr starr sind. Frauen, die sich diesen Regeln nicht unterwerfen wollen, können zu den Entsagenden gehen. Allerdings gibt es auch dort strenge Regeln, eine ist, sich niemals wieder fest an einen Mann zu binden und auch auf die Vorteile des Frauseins zu verzichten. Magda, die letztendlich zwischen den Welten aufgewachsen ist mit terranischen Eltern und ihrer Kindheit auf Darkover verbracht hat, hat sehr stark mit den unterschiedlichen Werten und Erwartungen zu kämpfen.

In dem dritten Teil des Madga-Lorne-Zyklus begibt sich Magda mit ihren Schwestern aus der Gilde auf die Suche nach der sagenumwobenen Schwarzen Schwersternschaft. Diese soll in den Weiten des Gebirges leben und wer dort hinfindet und eingelassen wird, soll Dinge über sich und die Welt lernen können, die einem sonst verwehrt bleiben.

Ich mag als erstes die Mischung aus Fantasy, Mittelalter und Abenteuer. Nichts ist übertrieben, sondern es gibt Elemente aus allen Genres. Darüber hinaus haben die Charaktere Tiefe, der Leser lernt sie wirklich kennen, ihre Gedanken, Gefühle und inneren Zweifel. Ich finde es sehr schön, Charaktere in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu beobachten, was sie in ihrem Leben erreichen. Und jetzt zum letzten Punkt, der mir beim diesmaligen Lesen aufgefallen ist: Marion Zimmer Bradley spielt mit unterschiedlichen Beziehungsmodellen, hält sie mir als Leser vor Augen, ohne für mich zu stark zu werten. Da ist das Beziehungsmodell der Entsagenden, die sich nie per Gesetzt eng an einen Mann binden dürfen, sondern stets nur unverbindlich. Da sind die Beziehungen unter Frauen, die einer Ehe ähneln. Es gibt außerdem den Austausch der Messer, dabei handelt es sich aber um keine Liebesbeziehung, sondern um eine Beziehung zwischen Kämpfern, die für den anderen das Leben geben würde. So gibt es Konstellationen, in denen eine Frau eine Beziehung zu einer Frau hat, jedoch das Messer mit einer anderen Entsagenden getauscht hat. Ein weiteres Modell ist die Beziehung in einem Turm, wo letztendlich mehrere Personen eine Beziehung zueinander haben. Nun ist das Buch mitnichten ein Buch, in dem die Protagonisten übereinander ständig herfallen, ganz und gar nicht. Bei mir habe ich eher festgestellt, dass ich gewisse Vorurteile oder Gedanken ein weiteres Mal überdacht habe. Ein Charakter sprach in den Büchern von „unsichtbaren Ketten“ und letztendlich hat jedes Modell das Potenzial, unsichtbare Ketten anzulegen, doch auch Freiheit zu gewähren. Eine Sichtweise, die ich interessant finde. Verbunden mit Werten und Normen, die so unterschiedlich und widersprüchlich sind, dass sie teilweise nur schwer nebeneinander existieren können. Ich bin mir sicher, dass ich auch ein viertes Mal diesen Zyklus lesen werde, weil ich so gerne den Planeten Darkover besuche.

So, jetzt aber genug geschrieben, dies waren ein paar Leseempfehlungen und vielleicht war ja das eine oder andere Buch für euch dabei :).

 

Ein Gedanke zu “Literatur: Für gemütliche Abende auf der Couch ein bisschen Lesestoff

  1. christina 29. Dezember 2016 / 8:10

    Ich kann ValMcDermind nur empfehlen sehr spannend habe alle gelesen bis auf den aktuellen Fall wer Krimis mag sollte dies nicht verpassen

    LG und viel Spaß beim lesen

    Gefällt mir

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