Literatur: Der Stumme Schrei & Sammelbestellung heute 18h

Heute gibt es wieder einen Beitrag zum Thema Literatur. Ok, das klingt ein wenig hochtrabend nach Grass, Mann oder anderen berühmten Kollegen. Ich habe mich wieder mit meinem Lieblingsgenre beschäftigt, nämlich dem historischen Krimi im viktorianischen Zeitalter.

anne-perry

Eine Autorin, die ich dabei sehr gerne lese, ist Anne Perry. Wenn du nach Anne Perry auf meinem Blog suchst, findest du weitere Bücher, über die ich geschrieben habe. Von ihr stehen zwei Serien in meinem Regal, die Serie um Inspector Pitt und um das Trio Privatdetektiv Monk, dem Anwalt Rathbone sowie  der Krankenschwester Hester.  Beide Serien kann ich empfehlen, lese derzeit aber hauptsächlich letztere und stelle dir das Buch The Silent Cry vor.

Eine wichtige Frage bei einer Serie: Muss ich alle Teile vorher gelesen haben? Es kommt drauf an. Die Serie lebt von zwei Dingen, zum einen von der Beziehung zwischen den drei Protagonisten  und zum anderen von den Kriminalfällen und auch deren oftmals ernsten gesellschaftlichen Hintergrund, ohne dass die Autorin mit dem erhobenen Zeigefinger herumwackelt. Für die Beziehung zwischen den Dreien kann ich die Reihenfolge wärmstens empfehlen, weil es Anspielungen und Rückblenden gibt. Für die Kriminalfälle jedoch ist die Reihenfolge nicht wirklich notwendig, wenn aber auch nicht hinderlich. Ein bisschen mehr zu den drei Hauptpersonen habe ich hier (*klick*) geschrieben.

Ein Verbrechen ist geschehen. Im Armenviertel St Giles werden zwei Gentlemen aufgefunden, einer tot, der andere schwer verletzt. Es handelt sich um den ehrenwerten Leighton Duff und seinen Sohn Rhys. Rhys ist nicht nur körperlich schwer verwundet, sondern auch seelisch, so hat er seine Stimme verloren und ist nicht mehr in der Lage, über den Vorfall zu sprechen. Hester, die impulsive Krankenschwester, wird deswegen beauftragt, Rhys zu pflegen und ihn vor zu aufdringlicher Polizei zu schützen. Unabhängig davon  wird Privatdetektiv Monk gebeten, verschiedene Fälle brutal misshandelter und vergewaltigter Frauen in dem besagten Armenviertel aufzuklären. Mit der Zeit stellt sich die Frage, ob die verschiedenen Kriminalfälle zusammenhängen und nicht die Gentlemen ihre Hände bei den Vergewaltigungen im Spiel hatten.

Das Buch hat mich bewegt, dies hätte ich nicht erwartet. Vor allem Wut hatte ich im Bauch. Denn während der Ermittlungen wurde immer wieder deutlich, dass letztendlich die brutalen Vergewaltigungen von der Mehrheit der Bevölkerung nicht als Verbrechen wahrgenommen werden, sondern als verdient, als Strafe für Frauen, als notwendiges Übel. Selbst die Polizei konzentriert sich auf den Mord und erst mit der Zeit spielen auch die Vergewaltigungen eine Rolle (die jedoch niemals in einem Verfahren als Verbrechen akzeptiert werden würden). Da musste ich in der Tat das eine oder andere Mal durchatmen. Es kommt zudem zu spannenden Wendungen und ich selbst bin ein Fan von der klassischen Polizeiarbeit, als es noch keinen genetischen Fingerabdruck gab, sondern auf herkömmliche Weise ermittelt wurde. Außerdem mag ich die Kontraste in den Geschichten zwischen dem Bürgertum und den Arbeitern, weil da Welten und Ansichten aufeinanderprallen.

Die Sprache ist mitunter gewöhnungsbedürftig, da bei den einfachen Leuten auch im Slang geschrieben wird wie „No ’e in’t“ oder „‘E used ter be“.  Doch nach ein paar Seiten habe ich mich dran gewöhnt und natürlich gibt es auch die deutsche Version zum Buch, der Titel lautet Stilles Echo. Wenn du historische Krimis magst, gerne auch spezielle Charaktere, dann kann ich dir das Buch und die Serie um William nur sehr empfehlen.

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