Literatur: Von Edelleuten mit dunklen Geheimnissen

Auf der Suche nach Nachschub in Sachen historischer Krimi bin ich auf die Serie um Sebastian St Cyr gestoßen. Natürlich hatte ich mir wieder einmal irgendeinen fortgeschrittenen Band gekauft und musste dann erst einmal recherchieren, wie der erste Teil lautet. Denn meine Erfahrung ist, dass ich doch gerne in der richtigen Reihenfolge lese und so alle Anspielungen in den Büchern verstehe, die zwischendurch gemacht werden.

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Also, das Buch gehört zu meinem Lieblingsgenre, dem historischen Krimi in London des 19. Jahrhunderts. Also noch keine technischen Finessen wie heutzutage, sondern die Ermittler sind zu Kutsche unterwegs und ermitteln auf alte Art und Weise. Die Gesellschaft ist gespalten zwischen Bürgertum und Arbeitervolk, oftmals bewegen sich die Ermittler in beiden Welten, was ich besonders spannend finde.

Die Geschichte beginnt mit einem brutalen Mord einer Schauspielerin in einer Kirche. Sie wurde nicht nur getötet, sie wurde praktisch hingerichtet und geschändet. Schnell fällt der Verdacht auf den jungen Aristokraten Sebastian St. Cyr: Ein Sprössling aus gutem Hause, kriegserfahren, jungen Damen und aufregenden Duellen nicht abgeneigt – und zu allem Unglück werden am Tatort auch noch Duellpistolen mit seinen Initialen gefunden. Damit ist der Fall für die Öffentlichkeit gelöst, der junge Aristokrat soll hängen und auch den oberen Politkern passt es gut. Allerdings ist Sebastian anderer Meinung und kann sich seiner Verhaftung entziehen. So beginnt für ihn auf seiner Flucht die Suche nach dem eigentlichen Mörder. Dabei trifft auf Menschen und Orte, die er vorher nicht als edler Gentleman betreten hätte, und eine spannende Jagd auf den eigentlichen Mörder beginnt.

Für mich ist schon einmal wichtig, dass ich gut in ein Buch hereinfinde. Nichts ist schlimmer, als wenn ich mich durch die ersten Seiten quäle und hoffe, dass ich irgendwie noch meinen Lesefluss finde. Dies war bei dem Buch überhaupt kein Problem. Die ersten Szenen sind humorvoll und die Charaktere werden vorgestellt. Und der junge Herr war mir gleich sympathisch. Auch sein „Gegner“, der ermittelnde Chief Magistrate Sir Henry Lovejoy ist ein kritischer Zeitgenosse, der gerne seine eigenen Chefs in Frage stellt und Ermittlungen auf eigene Faust anstellt.

Außerdem ist das Englisch gut zu verstehen, der Schreibstil angenehm, sodass der „äußere Rahmen“ passt. Da muss ich mich bei Anne Perry eher an den Slang gewöhnen und brauche ein paar Momente. Insgesamt mag ich die Protagonisten. Es sind keine außergewöhnlichen Charaktere, es wird auch mit dem einen oder anderen Cliché gespielt, aber die Personen haben dennoch eine gewisse Tiefe. Angenehm finde ich auch, dass es Konflikte zwischen den Charakteren gibt, die (ja, darauf stehe ich) dem damaligen Zeitalter geschuldet sind: Standesdenken, starre Rollenbilder und damit verbunden Erwartungen an die Geschlechter und Positionen. Ich mag es, wenn Individuen aus der Rolle fallen und auch Gegebenes in Frage stellen.

Das Buch What Angels Fear hat eine gute Länge mit 410 Seiten. Ich muss gestehen, dass ich keine deutsche Übersetzung gefunden habe und ich mich daher frage, ob diese (noch) nicht vorliegen. Falls du zufällig die deutschen Titel kennst bzw. mehr Infos weißt, freue ich mich über einen Kommentar (wobei ich mich immer über Kommentare freue :) ).

Und noch ganz kurz in eigener Sache: Derzeit habe ich nur einen „Not-Bastelplatz“, daher komme ich deutlich weniger zum Basteln als sonst und habe auch nicht meine sämtlichen Vorräte auf Lager. Daher wundere dich bitte nicht, wenn es derzeit meistens einen Bastelbeitrag pro Woche gibt und häufiger Bücher auftauchen. Momentan ist mein Alltag etwas weniger planbar, ich versuche aber das Beste draus zu machen, auch in kreativer Hinsicht ;).

2 Gedanken zu “Literatur: Von Edelleuten mit dunklen Geheimnissen

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