Literatur: Einmal mit den Schotten kämpfen

Heute gibt es wieder etwas zum Thema Literatur, denn derzeit bin ich voll im Lesefieber. Dieses Mal dreht sich alles um Schottland und eine Reise in die Vergangenheit. Ich will ja ehrlich sein, höre ich den Begriff „Highlander“, muss ich sofort an Buchcover mit gut gebauten Männern und vollbusigen (meist leicht bekleideten) Damen denken. Mein zweiter Gedanke ist dann „Und wie lese ich das Buch unauffällig in der Ubahn?!“. Nun, als ich die Bücher von Diana Gabaldon das erste Mal zur Hand nahm, gab es zwei Vorteile: Die Buchcover sahen völlig neutral aus und ich hatte nicht so wirklich eine Idee, worum es in den Büchern ging. Sprich, das Stichwort „Highlander“ sprang mich nicht sofort an.

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Und auch wenn die Bücher an manchen Stellen das eine oder andere Cliché erfüllen, so sind sie doch in erster Linie für mich unterhaltsame historische Romane, wenn auch der Protagonist lt. Autorin durchaus optisch attraktiv ist – was ich ja nicht per se ablehne ;).

Aber nun von vorne: Wir befinden uns im Jahr 1945. Claire macht mit ihrem Mann Frank, ein passionierter Historiker, einen Ausflug, um mehr über historische Personen der Familiengeschichte herauszufinden. So sehr sie die Arbeit ihres Mannes auch schätzt, so ist Claire doch froh, dass ihr Mann sich mit Reverend Wakefield blendend versteht und sich mit diesem über Stammbäume, verschollene Verwandte und andere Besonderheiten austauschen kann. Durch Zufall findet Claire hinaus, dass die Haushälterin, Mrs Graham, wiederum eine Anhängerin alter Riten ist. Um genau zu sein, treffen sich einige Damen des Ortes zu bestimmten Festen an einem Steinkreis, um dort den alten Göttern zu huldigen und in Bettlaken im Kreis zu tanzen. Das wiederum findet Claire spannend und so machen sich Frank und Claire auf den Weg, um die Damen heimlich zu beobachten. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf: Claire wird auf mysteriöse Weise durch einen Stein gezogen und findet sich auf einmal in einem einsamen Wäldchen wieder.

Als auf einmal Soldaten auftauchen, denkt Claire noch an Komparsen, muss aber feststellen, dass diese ihre Rolle so sehr überzeugend spielen. So überzeugend, dass es den einen oder anderen Verletzten gibt und Claire am Ende bei einer Horde Schotten landet. Und da trifft sie nun Jamie, einen jungen Highlander, verletzt und auf der Rückkehr ihrer Beutetour. Es dauerte noch einige Zeit, bis Claire einsah, dass sie keinem Fernsehdreh beiwohnt, sondern tatsächlich in der Vergangenheit angekommen ist.

Im ersten Band Feuer und Stein dreht es sich um das Kennenlernen von Claire und Jamie und deren erste Zeit als Paar. Mit sämtlichen Missverständnissen, kriegerischen Auseinandersetzungen und komischen Situationen aufgrund der unterschiedlichen Erziehung von Jamie und Claire. Denn Claire ist eine resolute Dame, die sich mitnichten in das damalige Bild einfügen möchte, indem sie ihrem Mann gehorcht und im Zweifel lieber ihre devote Seite zeigt. Ganz im Gegenteil, so manch eine kritische Situation entsteht, weil Claire ganz und gar nicht einsieht, die damaligen Erwartungen an das weibliche Geschlecht zu erfüllen – und Jamie regelmäßig daran verzweifelt.

Wer jetzt Lust auf die Bücher bekommen hat, der hört am besten auf mit dem Lesen, damit nicht zu viele Details verraten werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ok, weiter geht es. Die Geliehene Zeit, der zweite Band, knüpft an den ersten Band an, beginnt jedoch im Hier und Jetzt. Zwei neue Charaktere werden vorgestellt, Brianna, Claires Tochter und der junge Roger MacKenzie, ein Historiker und Stiefsohn des Reverends aus dem ersten Band. Der Reverend und Frank sind inzwischen gestorben und Roger muss den Nachlass seines Stiefvaters sortieren. Claire hat weder ihrer Tochter noch Roger etwas von ihrer Vergangenheit verraten und versucht, unauffällig mehr über die schottischen Kriege und mögliche Überlebende herauszufinden. Roger, froh über jede Ablenkung, unterstützt Claire und so kommen peu à peu Details ans Tageslicht und Claire kommt zum Schluss, dass Jamie nicht im Krieg gestorben ist. Und Claire ist gezwungen, ihrer Tochter reinen Wein einzuschenken über Jamie und die Reise in die Vergangenheit. Dies führt zu einem großen Streit, der fast Mutter und Tochter entzweit. Schließlich entscheidet sich Claire, noch einmal in die Vergangenheit zu reisen und sich auf die Suche nach Jamie zu begeben. Und natürlich ist die Suche erfolgreich, sodass die nächsten Abenteuer mit Jamie sowie Claire beginnen können. Es führt sie nach Frankreich, an den Hof des franzlsischen Königs und zu schrulligen Charakteren und Verwandten.

Im dritten Band, Ferne Ufer, verschlägt es Claire und Jamie in die neuen Kolonien, weil Jamies Neffe entführt wird. Allein schon die Schiffsreise ist das stundenlange Lesen wert und auch in den Plantagen erwarten die beiden erneut spannende Momente und Kämpfe.

Wenn ich es auf der Homepage richtig verstanden habe, dann gibt es seit 2015 neue, ungekürzte Fassungen. Ich muss gestehen, ich weiß überhaupt nicht, ob meine Versionen gekürzt oder ungekürzt sind. Jedenfalls ist die Lesereise mehrere Tausende Seiten lang und macht einfach nur Spaß. Ich habe die Bände ein zweites Mal gelesen und demnächst nehme ich den vierten Band ein zweites Mal in Angriff. Inzwischen gibt es acht Bände und ich freue mich bereits auf die nächsten dicken Schmöker mit Jamie und Claire.

 

 

Literatur: Unterwegs auf den Straßen Londons

Ich liebe ja Krimis, insbesondere Detektivgeschichten, die im historischen London spielen. So bin ich stets auf der Suche nach neuen/alten Krimiserien mit entweder starken Charakteren oder aber besonders einfallsreichen Handlungen.

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Durch Zufall bin ich auf diese Serie gestoßen, weil ich mir den dritten Teil kaufte und am Ende feststellte, dass ich – mal wieder – nicht mit dem ersten Band begonnen hatte. Also begab ich mich auf die Suche nach dem ersten Band. Das war gar nicht so einfach, da beim großen Online-Buchhändler irgendwie nur Sammlerstücke angeboten werden und ich daher weiter in den Tiefen des Internets graben musste. Am Ende wurde ich aber fündig und erwischte ein ziemlich lädiertes Exemplar „Ratcatcher“ von James McGee. Der deutsche Titel lautet „Der Rattenfänger“, also eine sehr nahe Übersetzung.

Protagonist ist Matthew Hawkwood, ein Bow Street Runner, Mitglied der ersten professionellen Polizei-Mannschaft Londons. Ein typischer Einzelgänger, militärische Vergangenheit, mutig, der Damenwelt und einem Kampf nicht abgeneigt (gelegentlich gab es da auch Schnittmengen, also zwischen der Damenwelt und den blutigen Auseinandersetzungen). Hawkwood wird beauftragt, einen Kutschenüberfall aufzuklären, bei dem Insassen getötet und bestohlen wurden. Aus einem zunächst normalen Überfall wird schnell eine Staatsaffaire und Hawkwood kämpft nicht nur gegen Kriminelle, sondern auch um militärische Verwicklungen und das Leben des englischen Thronfolgers.

Ganz ehrlich, zu Beginn tat ich mich ein wenig schwer, das passiert mir jedoch öfter bei den ersten Bänden von Serien. Bei diesem Buch lag es meiner Meinung nach an der Einführung des Protagonisten und seines Umfelds. Es wurde recht viel über militärische Ereignisse erzählt und irgendwann war bei mir dann ein Punkt erreicht, wo es nicht mehr sooo spannend war. Doch glücklicherweise war diese Phase nach einigen Seiten vorbei und die Handlung begann Fahrt aufzunehmen.

Mir gefiel die beschriebene Atmosphäre Londons, die Beziehung zwischen Hawkwood und seinem alten Weggefährten Jargo und auch der Kriminalfall war interessant (wenn jetzt auch nicht außergewöhnlich). Die Frauengeschichte war jetzt nicht sonderlich überraschend, erinnerte mich ein bisschen an Edgar Wallace, da gab es auch stets irgendwelche Affairen mit netten Damen, wenn ich mich richtig erinnere. Doch insgesamt ein runder Krimi. Und da ich bereits den dritten Band kenne, den ich sehr gut fand, kann ich die Serie empfehlen. Folgende Bände gehören zu der Serie:

Der Rattenfänger. („Ratcatcher“)
Die Totensammler. („The resurrectionists“)
Das Höllenschiff. („Rapscallion“)
Rebellion
The Blooding

 

 

 

Literatur: William Monk auf Spurensuche

Diese Woche kommen meine Beiträge etwas außer der Reihe – zeitlich gesehen. Dies liegt daran, dass ich immer noch mit meiner dicken Erkältung kämpfe und irgendwie nicht alles so organisiert bekomme wie üblich. Heute wird es daher ein Beitrag zum Abend hin mit zwei Buchtipps in Sachen historischer Krimi.

Eine Autorin, die ich sehr gerne lese, ist Anne Perry mit ihrer William Monk-Serie. Eine weitere bekannte Serie ist die um den Charakter Inspektor Pitt. Beide Serien spielen im viktorianischen England und haben bestimmte Protagonisten. Bei William Monk ist es das Trio William Monk, ein Privatdetektiv, Rathbone, ein Anwalt, und Hester, eine resolute Krankenschwester.

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Ich mag diese Serie zum einen wegen des Trios und zum anderen wegen deren Beziehungen untereinander. Monk ist ein dominanter, leicht chauvinistischer Mann, der in regelmäßigen Abständen mit Hester in Streit gerät. Denn Hester ist im Gegensatz zum damaligen Frauenbild eine sehr resolute Dame, die ihre Zunge nicht im Zaum hält und dadurch Monk bei fast jedem Treffen provoziert. Es besteht eine Hassliebe zwischen den beiden, denn so sehr sich Monk auch aufregt, so sehr weiß er auch Hesters Eigenschaften wie Loyalität, Verlässlichkeit und Kampfgeist zu schätzen. Rathbone spiegelt ein wenig die gehobene Gesellschaftsschicht wider, die in ihrem Luxus viele Probleme der unteren Schicht nicht kennt, sich aber dennoch auch in aussichtslose Fälle stürzt und auf die Unterstützung von Monk und Hester angewiesen ist.

Zum anderen finde ich die Fälle sehr spannend. Im Mittelpunkt stehen die Kriminalarbeit und auch gesellschaftliche Themen, die selbst heute aktuell sind. Oftmals überraschen mich die Wendungen und Motive in den Büchern und ich freue mich immer auf die Auflösung des Falles. Ihr müsst die Bücher nicht zwingend in der Reihenfolge lesen, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist (zumindest bis zu dem Band, den ich gelesen hatte). Allerdings lese ich die Bücher in der Reihenfolge, weil ich dann gewisse Anspielungen besser verstehe und auch die Entwicklung der Personen mitverfolgen kann.

Noch ganz kurz: Ich lese die Bücher sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch, es hängt davon ab, welches ich ergattere. Teilweise empfinde ich das Englisch als ein wenig schwierig, wenn William Monk in den Armenvierteln ermitteln und die Menschen letztendlich so sprechen wie sie hören. Mitunter muss ich mir den Satz dann laut vorlesen oder bewusst „durchdenken“, damit ich den Inhalt völlig verstehe.

So, jetzt habe ich ewig herumgeschrieben und nun komme ich endlich zu den Büchern ;). Heute stelle ich euch die beiden Bücher Cain, his Brother (Sein Bruder Kain) und Weighed in the Balance (Die russische Gräfin) vor.

Beim Buch Cain, His Brother kommt die vornehme Dame Genevieve Stonefield zu William Monk und meldet ihren Mann vermisst und beauftragt Monk, diesen zu suchen. Die Zeit drängt, denn der Vermisste hat ein Geschäft, welches ohne ihn nicht weitergeführt werden kann – die Witwe durfte nicht allein das Geschäft wieder aufnehmen. Der Vermisste hat einen gefürchteten Zwillingsbruder, dessen Namen im Hafenviertel und in den engen Gassen Londons nur hinter vorgehaltenen Hand genannt wird. Zu viele mussten bereits sein Messer spüren. Schnell merkt Monk, dass er sich zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft begeben und den Zwillingsbruder finden muss – womöglich hat dieser seinen eigenen Bruder ermordet.

Im zweiten historischen Krimi Weighed in the Balance (Die Russische Gräfin) kämpft Rathbone auf verlorenem Posten: Eine geheimnisvolle russische Gräfin taucht bei ihm auf und behauptet, dass Prinz Friedrich von seiner Frau ermordet worden sei. Obwohl sämtliche Alarmglocken bei ihm schrillen, nimmt er diesen Fall an – er kann der Gräfin einfach nicht widerstehen. Monk und Hester sind entsetzt (wie auch das restliche London), doch frei nach dem Motto „mitgefangen, mitgehangen“ muss Rahtbone nun im Gericht die Behauptung seiner Gräfin beweisen. Schnell stellt sich heraus, dass es um vielmehr als nur einen Beziehungsstreit geht, sondern um die Zukunft eines ganzen Landes.

Wer knifflige Kriminalfälle mag, „echte Detektivarbeit“ (also ohne DNA, genetischer Fingerabdruck usw.) und schrullige Charaktere, der kommt hier auf seine (oder natürlich ihre) Kosten. Ich habe mir bereits den nächsten Band der Serie gekauft und werden mir diesen gönnen, sobald ich mit meiner aktuellen Lektüre fertig bin.

 

 

Literatur: Für gemütliche Abende auf der Couch ein bisschen Lesestoff

Jetzt wird aber es Zeit für eine kurze Buchrezension, die Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlicher und perfekt für einen Abend auf der Couch mit einem spannenden Buch. Meine letzte Buchrezension ist schon ziemliche lange her. Nicht, dass ich in den letzten Wochen kein Buch in der Hand hatte, aber es gab so viele andere Veranstaltungen, Basteleien oder Bastel-Aktionen, dass ich meine Buchrezensionen sehr vernachlässigt hatte. Bilder folgen noch, da ich gerade an der Ostsee bin und zwar Bücher dabei habe, aber nur ungelesene Exemplare :).

Deswegen schreibe ich heute über mehrere Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ein buntes Potpourri, quer durch sämtliche Genres. Ich fange mit einem Thriller an.

Val McDermid – Tödliche Worte

Die Autorin kannte ich noch gar nicht und habe das Buch mir eher durch Zufall gekauft. Schon auf den ersten Seiten werde wendet sich der Mörder an den Leser, etwas kryptisch, und er berichtet von der Macht der Stimme und seinem Wunsch, diese Macht einzusetzen, um Frauen zu töten.

Danach werden peu à peu die verschiedenen Personen vorgestellt, Carol Jordan, eine hochrangige Polizeibeamtin, die bei einem Undercover-Einsatz vom Täter vergewaltigt worden ist und nun ein spezielles Einsatzteam leiten soll, das sich mit nicht gelösten Fällen befasst. In  ihrem Team sind eher eigenwillige Charaktere, eine etwas nerdige IT-Spezialistin, ein Kollege, dessen oberstes Ziel die höheren Stufen der Karriereleiter sind, und weitere Beamte, bei denen nicht sofort klar wird, wie diese ticken. Der zweite Protagonist ist der schrullige Profiler Dr. Hill, der in einer Anstalt arbeitet und die Polizei mit Täterprofilen unterstützt. Und der in Carol Jordan verliebt ist, aber beim besten Willen nicht weiß, wie er ihr das zeigen soll.

Die nächsten Fälle lassen nicht lange auf sich warten. Eine Prostituierte wird brutal von einem Freier misshandelt und schließlich getötet. Außerdem tauchen neue Spuren von zwei vermissten Jungen auf, bei denen sich keiner sich ist, ob die beiden noch leben oder ebenfalls getötet worden sind. Und auch Dr. Hill hat eine harte Nuss zu knacken: Ein verurteilter Mörder soll in der Anstalt zum Sprechen gebracht wird, ähnelt sich sein Opus moderandi doch dem Mord an der Prostituierten. Schließlich wird klar, dass Dr. Hills Patient etwas mit den Morden an den Prostituierten zu tun hat, denn er auch er mordete, weil er eine Stimme hörte…

Ich bin bei Krimis immer vorsichtig, aber dieses Mal hat es sich gelohnt: Die Protagonisten haben eine gewisse Tiefe und es ist spannend, wie sich das Verhältnis dieser untereinander entwickelt. Auch sind die Verbrechen interessant aufgezogen, wenn auch der Fall gerne etwas später hätte aufgelöst werden können. Aber durchaus ein Buch, das kurzweilig ist. Eine noch wichtige Info: Es handelt sich um den vierten Teil einer Serie. Es gibt ein paar Anspielungen, doch das Buch ließ sich auch gut ohne Vorwissen lesen.

Marion Zimmer Bradley – Die zerbrochene Kette; Gildenhaus Thendara, Die Schwarze Schwesternschaft

Ich hatte hier (*klick*) den Darkover Zyklus vorgestellt. Es ist eine Sammlung von Anthologien, Romanen aus dem Fantasy-Bereich und Mini-Serien.  Ich lese diese Sammlung bestimmt zum dritten Mal inzwischen, wenn nicht sogar häufiger. Zum einen habe ich ein extrem schlechtes Lesegedächtnis (was wiederum auch ein Vorteil sein kann, weil ich dann alte Bücher wieder hervorholen kann ;) ) und zum anderen entdecke ich stets neue Aspekte bei diesen Büchern. Wahrscheinlich auch ein wenig abhängig davon, in welcher Lebensphase ich mich befinde. Bei meinem ersten Beitrag war ich mir noch ein wenig unsicher, ob man alle in einer Reihenfolge lesen muss: Nein, muss man nicht zwangsläufig. Bei diesen Mini-Serien macht es Sinn, aber grundsätzlich ist es nicht notwendig. Es gibt in den Büchern regelmäßig Anspielungen auf vergangene Ereignisse und Personen aus anderen Büchern, doch ein Vorwissen ist nicht notwendig. Ich stelle euch die Mini-Serie um Magda Lorne vor. Sie hat terranische Eltern, ist aber auf Darkover geboren und gilt als eine Koryphäe in Sachen Forschung auf Darkover. In dem Buch Die zerbrochene Kette begibt sich Madga Lorne auf die Suche nach ihrem verschollenen Ex-Partner Peter, der von einer Exkursion in den Bergen nicht zurückgekehrt ist. Obwohl getrennt, fühlt sie ihm verpflichtet und beginnt eine gefährliche Reise in die Berge. Auf ihrer Reise gibt sich Magda als Entsagende aus, hat jedoch das Pech, auf echte Entsagende zu treffen. Die Regeln der Entsagenden schreiben vor, dass Frauen, die sich fälschlicherweise als Entsagende ausgeben, den Eid der Entsagenden leisten müssen und somit Teil dieser Gemeinschaft werden. Dies passiert auch Madga und im zweiten Teil, Gildenhaus Thendara, wird ihre erste Zeit im Gildenhaus beschrieben.

Ein paar kurze Worte zu den Entsagenden: Auf Darkover herrschen sehr patriarchale Gesellschaftsstrukturen, in denen die Rollen von Frauen und Männer sehr starr sind. Frauen, die sich diesen Regeln nicht unterwerfen wollen, können zu den Entsagenden gehen. Allerdings gibt es auch dort strenge Regeln, eine ist, sich niemals wieder fest an einen Mann zu binden und auch auf die Vorteile des Frauseins zu verzichten. Magda, die letztendlich zwischen den Welten aufgewachsen ist mit terranischen Eltern und ihrer Kindheit auf Darkover verbracht hat, hat sehr stark mit den unterschiedlichen Werten und Erwartungen zu kämpfen.

In dem dritten Teil des Madga-Lorne-Zyklus begibt sich Magda mit ihren Schwestern aus der Gilde auf die Suche nach der sagenumwobenen Schwarzen Schwersternschaft. Diese soll in den Weiten des Gebirges leben und wer dort hinfindet und eingelassen wird, soll Dinge über sich und die Welt lernen können, die einem sonst verwehrt bleiben.

Ich mag als erstes die Mischung aus Fantasy, Mittelalter und Abenteuer. Nichts ist übertrieben, sondern es gibt Elemente aus allen Genres. Darüber hinaus haben die Charaktere Tiefe, der Leser lernt sie wirklich kennen, ihre Gedanken, Gefühle und inneren Zweifel. Ich finde es sehr schön, Charaktere in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu beobachten, was sie in ihrem Leben erreichen. Und jetzt zum letzten Punkt, der mir beim diesmaligen Lesen aufgefallen ist: Marion Zimmer Bradley spielt mit unterschiedlichen Beziehungsmodellen, hält sie mir als Leser vor Augen, ohne für mich zu stark zu werten. Da ist das Beziehungsmodell der Entsagenden, die sich nie per Gesetzt eng an einen Mann binden dürfen, sondern stets nur unverbindlich. Da sind die Beziehungen unter Frauen, die einer Ehe ähneln. Es gibt außerdem den Austausch der Messer, dabei handelt es sich aber um keine Liebesbeziehung, sondern um eine Beziehung zwischen Kämpfern, die für den anderen das Leben geben würde. So gibt es Konstellationen, in denen eine Frau eine Beziehung zu einer Frau hat, jedoch das Messer mit einer anderen Entsagenden getauscht hat. Ein weiteres Modell ist die Beziehung in einem Turm, wo letztendlich mehrere Personen eine Beziehung zueinander haben. Nun ist das Buch mitnichten ein Buch, in dem die Protagonisten übereinander ständig herfallen, ganz und gar nicht. Bei mir habe ich eher festgestellt, dass ich gewisse Vorurteile oder Gedanken ein weiteres Mal überdacht habe. Ein Charakter sprach in den Büchern von „unsichtbaren Ketten“ und letztendlich hat jedes Modell das Potenzial, unsichtbare Ketten anzulegen, doch auch Freiheit zu gewähren. Eine Sichtweise, die ich interessant finde. Verbunden mit Werten und Normen, die so unterschiedlich und widersprüchlich sind, dass sie teilweise nur schwer nebeneinander existieren können. Ich bin mir sicher, dass ich auch ein viertes Mal diesen Zyklus lesen werde, weil ich so gerne den Planeten Darkover besuche.

So, jetzt aber genug geschrieben, dies waren ein paar Leseempfehlungen und vielleicht war ja das eine oder andere Buch für euch dabei :).

 

Literatur: Ein dicker Schmöker für herbstliche Abende

Ich liebe ja so richtig dicke Schmöker – und wenn es draußen grau ist, es regnet und so richtig ungemütlich wird, fängt meine Lese-Saison so richtig an. Als großer Fan von historischen Romanen bin ich stets auf der Suche nach neuen Autoren oder Serien, die ich ausprobieren kann. Gerne durchwühle ich dabei die „Resterampen“ in Läden und versuche dabei das eine oder andere Buch zu entdecken.

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Das neueste Buch, das ich beim Stöbern entdeckt habe, ist das Buch „Die Rosenkriege – Sturmvogel“ von Conn Iggulden. Es ist der erste Teil einer Serie über die englischen Rosenkriege zwischen den Lancasters und den Yorks. Auch Rebecca Gablé, eine Autorin, deren Bücher ich förmlich verschlinge, schreibt über die Rosenkriege. Daher war ich gespannt wie ein Flitzebogen, wie denn Conn Iggulden das Thema angeht.

Im Mittelpunkt stehen drei Charaktere: Derry, der Meisterdetektiv des Königs von England (Henry VI und seinem Vorgänger), Margaret von Anjou und Thomas Woodchurch, ein englischer Bogenschütze. Die drei Handlungsstränge beginnen getrennt und im Laufe der Handlung treffen die Charakter aufeinander.

König Henry VI ist für viele eine Enttäuschung: War sein Vater ein berühmter Krieger, von seinen Feinden und auch Verbündeten gefürchtet, wendet sich Henry VI der Kirche zu, ist schwach und wird zu gerne von seinen Vasallen beeinflusst. Unruhen beginnen und Derry befürchtet, dass Frankreich sich gegen England erheben könnte. Was liegt da näher als eine französische Braut? Diese ist auch recht schnell gefunden. Margarets Vater ist in ständiger Geldnot und die Vermählung seiner Tochter mit dem König Englands ist für ihn eine einmalige Chance, nicht nur zu Geld zu kommen, sondern auch in der strengen Adelshierarchie aufzusteigen. Doch das Geschäft hat es in sich: Die Ehe zwischen England und Frankreich gibt es nur gegen die Aufgabe englischer Landstriche in Frankreich – für viele Engländer ein Verrat, der nach Rache schreit. Thomas Woodchurch, ein ehemaliger britischer Bogenschütze, lebt in einem der aufgegebenen Landstriche und schwört sich, sich nicht kampflos zu ergeben und alles aufzugeben, was er mit seinen eigenen Händen aufgebaut hat. Unter John Cade und zusammen mit vielen Tausend Unterstützen verbreiten sie Angst und Schrecken auf ihrem Weg nach England, um für das angetane Unrecht Vergeltung zu üben.

Ich finde nicht nur die Personenauswahl sehr gelungen, sondern auch deren Tiefe. Alle drei Protagonisten sind völlig unterschiedlich, kämpfen mitunter auf gegnerischen Seiten und letztendlich kann ich bei keiner Person sagen, sie sei im Unrecht oder Recht. Es gibt nicht die klassische „gut-böse-Verteilung“. Außerdem finde ich das Thema, also die Rosenkriege, sehr interessant. Vor allem auch, um zu sehen, wie die verschiedenen Autoren mit dem Thema umgehen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann gibt es bei Rebecca Gablé nicht so viele ausführlichen Kampfhandlungen, die mir bei Conn Iggulden sehr gut gefielen. Vom Schreibstil lässt sich der erste Band der Serie super durchlesen, ich hatte keine Längen oder Momente, in denen ich dachte „Nun mach doch mal hin“. Daher kann ich nur eine absolute Leseempfehlung geben und freue mich schon auf den zweiten Teil.

Kurz die Fakten:

Autor: Conn Iggulden

Titel: Die Rosenkriege – Sturmvogel

Verlag: Heyne

Seitenanzahl: 608

Preis: Ca. 10 Euro (im Angebot habe ich 3,50 Euro bezahlt)

Sammelbestellung

Es gibt heute außerdem eine Sammelbestellung um 18h bei mir. Wenn ihr etwas für euch entdeckt habt, dann sendet mir einfach eine Mail an stempelnstanzenstaunen[at]web.de und ich bestelle für euch die Bastel-Utensilien. Details zur Sammelbestellung findet ihr hier (*klick*). Derzeit gibt es auch eine tolle Aktion mit reduzierten Stempelsets (*klick*) – ein Blick auf die Angebote lohnt sich auf jeden Fall.

 

Literatur: Von Schlachten, Kriegern und nordischen Göttern

Uhtred wird als kleiner Junge von den Dänen in einer Schlacht gefangen genommen und wächst als Ziehsohn Ragnars bei den Dänen auf. Er verehrt die alten Götter, hadert regelmäßig mit den Christen und später mit dem frommen König Alfred, in dessen Dienst er unfreiwillig eintritt. Alfred hat ein großes Ziel, nämlich ein großes England zu schaffen und die Wikinger und Dänen zu bekämpfen – bzw. bekämpfen zu lassen. Denn am Ende entscheiden die Krieger an vorderster Front, welches Heer gewinnt. Uhtred ist für König Alfred ein wertvolles Mitglied seines Hofstaates, da Uhtred eine enge Verbindung zu den Dänen hat, ihre Kampfweise beherrscht und mit ihnen kommunizieren kann. Doch genau dieser Umstand ist für Uhtred von Bebbanburg eine große Herausforderung: Er möchte nichts lieber als seine alte Heimatburg zurückerobern und eine gesunde Distanz zum frömmelnden Alfred und seiner Priesterschar. Doch diesen Wunsch zu erfüllen gestaltet sich als schwierig und Uhtred muss viele Schlachten kämpfen, ihm lieb gewonnene Kampfgefährten verlieren und zu so manche Verletzung erdulden, um seinen Traum näher zu kommen.

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Ich habe diese Serie durch Zufall entdeckt und bin inzwischen süchtig. Zum einen finde ich das Thema spannend. Fand ich den Geschichtsunterricht in der Schule – um es einmal wohlwollend zu formulieren – gelegentlich etwas trocken, so kann ich historische Romane stundenlang lesen. In diesen Romanen ist auch die Perspektive gelungen: Uhtred, der im Herzen immer auch Däne ist, beschreibt die Schlachten aus der Sicht des Kriegers und nicht aus der Sicht der Geschichtenschreiber, Priester oder Könige. Außerdem hat er mitunter einen recht trockenen Humor und es macht Spaß, wenn er seiner Abneigung gegenüber Alfred oder der Priesterschar Ausdruck verleiht. Allerdings sieht er Religion, auch seine eigene, eher pragmatisch und lebt nach dem Motto „Leben und leben lassen“ – dies finde ich sehr sympathisch. Natürlich ist Uhtred eine Kunstfigur, dennoch empfinde ich sie als gut gewählt.

Bernard Cornwell selbst wurde als Kind zur Adoption freigegeben. Er nahm jedoch den Namen Cornwell wieder an, nachdem er die fundamentalistische Familie verlassen hatte. Möglicherweise erklären diese Erfahrungen auch den stets leicht spöttischen, wenn nicht gar kritischen Unterton Cornwells, wenn er von den Priestern, aber auch sehr religiösen Dänen berichtet. Bekannt wurde Cornwell durch die Sharpe-Serie, die ich noch nicht gelesen habe. Aber die Serie steht auf meiner Wunschliste und wird garantiert noch abgearbeitet. Derzeit lese ich parallel noch die Gralserie Cornwells, die ebenfalls sehr vielversprechend beginnt.

Die Uhtred Serie besteht inzwischen aus neun Bänden:

The Saxon Stories / Die Uhtred-Saga

  • The Last Kingdom  (Das letzte Königreich)
  • The Pale Horseman (Der weiße Reiter)
  • The Lords of the North (Die Herren des Nordens)
  • Sword Song (Schwertgesang)
  • The Burning Land (Das brennende Land)
  • Death of Kings (Der sterbende König)
  • The Pagan Lord (Der Heidenfürst)
  • The Empty Throne (Der leere Thron)
  • Warriors of the Storm

Die Bücher sind ein wenig blutiger, das bleibt jedoch bei Wikingern und den brutalen Schlachten nicht aus. Ich kann dennoch diese Serie nur wärmstens den Fans von historischen Romanen empfehlen.

Literatur: Die Beichtkammer – Eine packende Kurzgeschichte

Ich lese ab und zu sehr gerne Kurzgeschichten, auch bei Krimis. Als ich wieder einmal durch die virtuellen Regale eines großen Onlineshops stöberte, geriet mir dieser Kurz-Thriller zwischen die Finger. Natürlich konnte ich nicht „nein“ sagen und so landete dieser in meinem Warenkorb und wenig später in meinem Regal.

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Den Autor J. P. Conrad kannte ich bisher noch nicht, obwohl er schon die eine oder andere Kurzgeschichte veröffentlicht hat.  Daher war ich gespannt auf dieses dünne Büchlein.

Die Geschichte beginnt mit dem Aufwachen von Tom Wedge in einem düsteren Kellerraum. Er kann sich nicht erinnern, wie er dort hingekommen ist. Mit ihm befinden sich zwei weitere Personen in dem Verließ, ein junges Mädchen und ein älterer Mann. Keiner weiß, warum er eingesperrt wurde. Es herrscht Misstrauen zwischen den Gefangenen, die Emotionen kochen hoch. Doch dann kommen die Botschaften, nämlich die größte Sünde im eigenen Leben zu gestehen.

Dass mehrere Leute in einem Raum gefangen sind, ist nichts Neues. Spätestens seit den Filmen Saw I – ?? ist dies ein doch recht bekanntes Setting. Auch, dass jemand ein dunkles Geheimnis verbirgt, ist für einen Krimi keine Neuerung. Was mich aber überrascht hat, waren die Wendung und schließlich die Auflösung des Falls.  Denn automatisch dachte ich in eine Richtung und wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Tatsächlich machte der offensichtliche Titel auch noch in eine andere Richtung Sinn. (Wobei das mit Interpretationen so eine Sache ist, spätestens seit meinem Deutsch-Grundkurs damals weiß ich, wie man da voneinander bei der Auslegung voneinander abweichen kann. Irgendwann meinte mein Deutschlehrer einmal verzweifelt zu mir – als wir zum wiederholten Male anderer Meinung waren – ich käme nie auf „die höhere Ebene“.  Keine Ahnung, ob ich nun zehn Jahre später es auf diese ominöse Ebene geschafft habe… )

Der Schreibstil ist nicht außergewöhnlich, aber mir gefällt die Idee. Daher kann ich mir gut vorstellen, auch eine weitere Kurzgeschichte von J. P. Conrad zu lesen.

Kurz die Fakten

Titel: Die Beichtkammer

Verlag: Perpicx Media

Seiten: 52

Preis: 2,90 Euro