Literatur: The Returned – Was würdest du tun?

Ich muss gestehen, dass ich schon öfter diesen Gedanken hatte: Was würde ich tun, wenn ein Mensch, der mir sehr wichtig war, von den Toten zurückkommt?

The-Returned

In dem Buch „The Returned“ geschieht genau dies  verschiedenen Menschen. Auf einmal stehen ihre verstorbenen Lieben vor ihnen: das verstorbene Kind, der tote Ehemann oder Bruder. In der Vergangenheit urplötzlich getrennt und genauso unerwartet wieder vereint. Die anfängliche Freude ist groß, aber es zeigt sich, dass das Leben nicht dort weitermacht, wo der gemeinsame Pfad abrupt aufgehört hat. Die Zurückgebliebenen haben weitergelebt, mit ihrem Schicksal gehadert, einen neuen Partner kennengelernt oder versucht, mit der Vergangenheit abzuschließen. „The Returned“ haben von diesem Leben nichts mitbekommen und verstehen nicht, warum sie nicht ihr altes  Leben einfach fortführen kann. Emotionen nehmen ihren Lauf, Enttäuschung, Hass, Wut und Verzweiflung, selbst vor Gewalt wird nicht Halt gemacht. Und auch die Mitmenschen reagieren auf die Wiederkehrer nicht immer mit Freude. Neid frisst sich in sie hinein, warum nicht von ihnen das Kind zurückgekehrt ist, sondern vom Nachbarn. Zweifel machen sich breit, ob die Zurückgekehrten wirklich Gutes wollen. Und am Ende zeigt sich, dass manche Dinge nicht sein sollen…

Ich habe das Buch entdeckt, als ich durch den Buchladen schlenderte und dort mich durch die Sonderangebote wühlte. Der Titel sprach mich an, doch wurde ich ein wenig skeptisch, als es hieß „Das Buch zum Film“. Meistens sind solche Bücher eher dahinplätschernd, seicht und oftmals nichts für mich. Daher erhielt das Buch nicht wirklich Vorschusslorbeeren von mir. Und das war gut so, denn umso positiver wurde ich überrascht.

Das Buch nimmt zunehmend an Fahrt auf. Die Kapitel sind sehr kurz und beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Personen, deren Leben durch einen der „Returned“ verändert wird. Die einzelnen Handlungszweige laufen parallel, mäandern ein wenig, kreuzen sich und trennen sich dann wieder – bis zum Höhepunkt. Die Geschichte beginnt mit einem Stausee in den französischen Alpen, der auf einmal an Wasser verliert. Und die Geschichte ist ein bisschen wie der Stausee: Sie beginnt langsam, wird immer schneller und schließlich überschlagen sich die Ereignisse und Emotionen wie das Fluten aus dem See. Ganz ehrlich, damit habe ich absolut nicht gerechnet.

Das Buch hat mich aufgewühlt, weil es tatsächlich Gedanken aufgegriffen hat, die ich in der Vergangenheit häufig hatte. Und am Ende hatte ich für mich immer die schmerzliche Erkenntnis, dass mich zwar seine Rückkehr unendlich glücklich machen würde, ich aber einen erneuten Verlust nicht verkraften würde. Und deswegen endeten meine Gedanken stets mit dem traurigen Entschluss, dass ich ein erneutes Wiedersehen nicht mehr möchte – egal, wie viel ich diesem Menschen noch zu sagen hätte. Und oftmals dachte ich mir, dass ich an manchen Punkten genauso wie die Protagonisten kämpfen würde und nicht wüsste, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. „The Returned“ fallen für mich auch nicht wirklich in die Kategorie Zombies. Bei Zombies muss ich immer an zerfledderte Gestalten denken, denen der Speichel aus dem Mund läuft und die an meinen Knochen knabbern wollen. Dies ist hier definitiv nicht der Fall, jedenfalls nicht zu 90% des Buches.

Ich kann das Buch tatsächlich nur empfehlen und werde mir definitiv auch die Serie anschauen, meine Neugier ist geweckt.  Es ist eine Mischung zwischen Thriller, Horror und Mystery – ja, und auch Tragödie.

Kurz die Fakten:

Titel: The Returned (Englisch/Deutsch)

Autor: Seth Patrick

Verlag: Pan Books (in Deutschland beispielsweise Loewe)

Seiten: 468

Preis: Ich habe 3 Euro bezahlt, die deutsche Version kostet ca. 14,95 Euro

Literatur: Die Wand – Wenn das Normale verloren geht

Eigentlich wollte ich euch heute etwas Gebasteltes vorstellen, aber neben meiner Bastel-Leidenschaft bin ich auch eine totale Leseratte. Und wie es so ist, konnte ich einfach ein Buch nicht zur Seite legen („eine Seite noch“), bis es schließlich spät abends wurde. Buch war durch und Basteltisch leer *seufz* Also mache ich aus der Not eine Tugend und werde euch einfach kurz meinen Lesestoff vorstellen, wenn ich denke, dass es sich lohnt. Das fällt dann in die Kategorie „Staunen“ ;)

Wand-Haushofer

Ich bin auf kein Genre festgelegt, lese aber sehr gerne Utopien / Dystopien. „Die Wand“, tja, was ist das Buch? Ich würde es eher als eine Dystopie sehen, möchte aber natürlich auch nicht zu viel verraten. Das Buch ist eigentlich ganz unscheinbar, dünn, die Autorin Marlen Haushofer war mir völlig unbekannt und der Titel ist auch eher unauffällig. Auf das Buch gekommen bin ich über Werbung zu dem Kinofilm. Da ich lieber das Originalwerk lese, habe ich mir das Buch gekauft und war tatsächlich begeistert. Den Film habe ich übrigens immer noch nicht geschaut, da ich beim Trailer bereits doch einige Unterschiede zum Buch ausmachen konnte – ich bin dann immer ein wenig krüsch.

Ich finde, die Zusammenfassung auf dem Buch hinten ist bereits sehr gut: „Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte in den Bergen auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert.“ Einfach, klar, wie das ganze Buch. Und bereits dieser eine Satz hat mich angestachelt, das Buch unbedingt lesen zu wollen.

Das Buch ist praktisch das Tagebuch der namenslosen Frau, die ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse in ihrer neuen Welt niederschreibt. Der Leser weiß nicht, wo genau sich die Frau befindet oder in welchem Jahrzehnt die Geschichte spielt. Vieles, was normalerweise im Laufe der Handlung verraten wird, bleibt ungewiss. Und dieser Umstand stört tatsächlich überhaupt nicht. Die Autorin spielt mit Anspielungen, Rückblenden, Ängsten und Hoffnungen, so dass ich mich einfach nicht davon losreißen konnte, herauszufinden, wie ihr Leben weitergeht. Auf einmal erscheinen banale Dinge unheimlich wichtig, selbst das Haustier wird zum existenziellen Begleiter, der Trost spendet, beschützt und für den Lebensunterhalt unverzichtbar wird. Ich glaube, dieses Konzentrieren auf das Wesentliche, der Verlust von dem, was uns als „normal“ erscheint, und der Kampf um einen Alltag, haben mich fasziniert.

Ich brauchte genau zwei Abende für das Buch und werde es definitiv noch ein zweites Mal lesen. Wer gerne einmal ein etwas anderes Buch lesen möchte, dem kann ich dieses Werk nur wärmstens empfehlen.

Noch kurz die Fakten:

Autorin: Marlen Haushofer

Verlag: List

Seitenanzahl: 285

Preis: 8,95 €