Literatur: Naokos Lächeln – nur eine Liebesgeschichte

Von wegen. Dieses kleine Buch hat mich die letzten drei Tage vom Basteln abgehalten, weil es mich so beschäftigt hat. Wobei, es ist nicht so, dass ich das Werk in einem Rutsch durchgelesen habe. Ich brauchte tatsächlich meine Pausen, weil ich es öfter aus der Hand legen musste und mich manche Passagen sehr zum Nachdenken brachten.

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Das Buch ist mehr als eine Liebesgeschichte. Es geht um Sprachlosigkeit, Gefühle, Verlust, Verzweiflung – aber auch das kleine Glück, das man erkennen und fassen muss, sonst entwischt es einem und kommt nie wieder zurück.

Bei der Inhaltsangabe werde ich ein paar Details aus dem Buch verraten.

Das Buch ist ein Rückblick des Tōru Watanabe, der von seiner Freundschaft zu Naoko, Midori und Kizuki erzählt. Es sind tragische Freundschaften. Tōru wohnt in einem Studentenwohnheim und ist mit Kizuki  und Naoko, Kizukis Freundin, befreundet. Doch dann begeht Kizuki Selbstmord und Tōru ist die letzte Person, die Kizuki lebend sieht. Keiner weiß, warum Kizuki sterben wollte, und dieses Nicht-Wissen soll Naoko und Tōru ein Leben lang begleiten. Naoko ist ein stiller, introvertierter Mensch, dem es schwer fällt, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und sich der Welt mitzuteilen. Ihre Sprachlosigkeit nimmt zu, bis Tōru erfährt, dass Naoko in einem Sanatorium ist, um dort behandelt zu werden. Aus freundschaftlichen Gefühlen gegenüber Naoko wird Liebe, die mit der Zeit immer stärker wird. Es ist eine verzweifelte Liebe, von der Tōru  keinem Außenstehenden verrät, sondern lediglich Anspielungen macht und die Bürde Naokos‘ Krankheit alleine trägt. In dieser Zeit lernt Tōru  Midori kennen – der Gegenpol zu Naoko. Midori ist lebendig, sprüht vor Energie, spricht über Gefühle und will leben. Als die Freundschaft zu Midori zu zerbrechen droht, wird sich Tōru seiner Gefühle zu Midori bewusst. Doch den nächsten Schritt von der Freundschaft zur Beziehung schafft Tōru  erst, als auch Naoko sich das Leben nimmt.

Es waren mehrere Details und Momente, die mich beim Lesen beschäftigt haben. Ich habe mich immer gefragt, woran Naoko wirklich litt, warum sie sich ihrer Umwelt nicht mitteilen konnte. Ich habe auch andauernd darüber nachdenken müssen, warum sich Kizuki das Leben nahm, warum so viele junge Menschen ihr Leben nicht mehr wollten. Naokos Schwester hatte sich in Naokos Kindheit auch umgebracht – und am Ende wiederholte sich die Geschichte bei Naoko. Es beschäftigt mich, warum die Mehrheit der Protagonisten im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos waren – und ob es uns nicht manchmal auch so geht. Tōru litt für sich alleine, konnte sich nur der Mitpatientin Naokos offenbaren, aber nicht Midori, die verzweifelt und wütend nach Erklärungen suchte, warum Tōru sich mehr und mehr einkapselte, dabei litt und doch nichts sagen konnte.

Dies ist ein Buch, das ich auch ein zweites Mal lesen werde. Haruki Murakami hat auch noch weitere, tolle Werke geschrieben. Kennen gelernt habe ich den Autor, indem ich das Buch „Kafka am Strand“ förmlich verschlung.

Noch kurz die Fakten:

Autor: Haruki Murakami

Verlag: btb

Seitenanzahl: 416

Preis: 10 €